Autofrischling Marina

Die Marina zieht um. Kein Karnevalszug, auch kein Wechsel der Kleidung. Nein, Marina wandert aus. In fremde Landen. Dahin wo der Pfeffer wächst und sich Fox und Hase „gute Nacht“ sagen. In die Eifel. Damit sie im Ausland gut zurecht kommt, möchten wir sie mit dem dortigen Brauchtum vertraut machen. Eins wird dabei sofort klar, das Leben in der Eifel ist hart, so hart, dass teilweise nur der Alkohol helfen kann. „Sex, Drugs, n` Money!“ in der Eifel. Bevor jedoch darauf eingegangen wird, wie deine eifeler Vorfahren die Hillich feierten, soll in einigen Beispielen auf Sitten und Gebräuche um die Brautwerbung berichtet werden.


Brautwerbung und Hillich (Hochzeit)
In der Eifel war es üblich, dass sich der junge Mann, bevor er zu einem Mädchen "freien" ging, vergewisserte, dass ihm die Auserkorene (in diesem Fall du) auch gesonnen war. Das geschah z.B. dadurch, dass der Junge mit einer Flasche Wein oder Branntwein in das Haus des Mädchens ging und die Flasche auf den Tisch stellte. Holte das Mädchen dann Gläser, so war es mit dem Bewerber einverstanden; stellte sie aber keine Gläser auf den Tisch, wurde ihm damit angezeigt, dass sein Werben nicht erwünscht sei.
In der Mainacht stellten die Jungen "ihren" Mädchen eine junge Birke oder Buche vor das Haus. Unbeliebten Mädchen wurde Häcksel gestreut und die Haustür mit Dornen umkränzt.

Ebay in der Eifel – oder „Augen auf beim Frauenkauf!“
Eine Mißbillgungsbezeugung war der Brauch des sogenannten "Mailehens" (in Urkunden auch Maidlehen):
In der Nacht vor dem 1. Mai traf sich die unverheiratete Jugend des Ortes auf dem Dorfplatz. Alle unverheirateten Mädchen wurden von einem "Ausklöpper" (Versteigerer) an die Dorfjungen einzeln versteigert. Die zur Versteigerung anstehende Dame wurde dabei natürlich mit den notwendigen Bemerkungen des Ausklöppers bedacht, z.B.: "Mariechen, das kleine Moppelchen" oder bei einem wohlproportionierten Mädchen: "Da hast du was für dein Geld" usw. Mädchen, für die kein Gebot abgegeben wurde, kamen in die sogen. "Bütt", d.h. sie wurden nach Abschluß der Einzelversteigerung im Gesamten versteigert.
Der Ersteigerer hatte das Recht, mit dem von ihm angesteigerten Mädchen ausschließlich zu verkehren.

Corpus delirium – Babaren unter sich
Die "Hillisch" fand am Vorabend der ersten Eheverkündung statt. Die Mitglieder des Junggesellenvereins ziehen vor das Haus der Braut und singen ein mehrstrophiges Lied. Während des Liedes pfeift der "scholtes" auf dem "Hillischstab" in den zwei Pfeifen hineingeschnitten sind. Nach dem Singen und Pfeifen beginnt das "Hillischschleifen". Dieses Schleifen wird von einem ohrenbetäubenden, wehmütigen Geheul aller Akteure und auch der Zuschauer begleitet. Anschließend laufen die Hillichgesellen unter weiterem Schleifen und Heulen zweimal durch den Ort. Danach bittet der Bräutigam den Anführer und zwei Delegierte der Hillichgesellschaft ins Haus. Hier bringt der Anführer den Hillischspruch und die Glückwünsche aus. Der Hillichspruch lautete in Laubach:
"Wir haben soeben vernommen,
Es sei ein Jüngling in unseren Rosengarten gekommen
Und habe uns die schönste Jungfrau genommen.
Dafür forderen wir:
Was uns von unserem Kaiser und König anerkannt worden ist,
Nämlich 2 1/2 Dutzend Kronentaler und soviele Schinken und Braten;
Als dieser Tisch kann tragen.
Und soviel Bier und Wein,
Als im Rhein Wasser sein,
Oder besser gesagt, 20 Mark und 2 Liter Schnaps."

Anschließend geht es mit dem Lied "Schönster Schatz mein Augenstern" ins nächste Wirtshaus um die Spende des Bräutigams - die, wenn der Bräutigam von auswärts kam, erheblich höher war als bei einem Ortsansässigen - "flüssig" zu machen.

Schwangerschaft und Geburt – nur ein Versehen
Man hütet die schwangere Frau vor Ärger oder Schrecken und verschont ihr Haus vor Belästigungen. Schwangere Frauen dürfen sich nicht „versehen“, dass heißt Menschen mit hässlichem Äußerem begegnen, da das zu erwartende Kind ebenso hässlich wird. Das Geschlecht des Kindes ist am Gesicht der Mutter zu erkennen, zeigt sich dies gelbfleckig ist es ein Mädchen; ist es aber frisch und blühend, wird es ein Junge. Sobald die Hauptwehen anfangen, wird die "Kindjesbaas" (Hebamme) gerufen. Ein Junge ist im allgemeinen als "Leibeserbe" willkommener als ein Mädchen.

Aufzucht und (V)Erziehung
Das Neugeborene hütet man, solange es noch nicht getauft ist, vor "schädlichen" oder "bösen" Blicken. Die Taufe findet spätestens zwei Tage nach der Geburt statt. Am Tage nach der Taufe gehen die Nachbarinnen zur Wöchnerin und bringen als Gabe 7 oder 10 Pfennige (hier dann auch wahlweise Euro), die als Ausgleich für die früher übliche Naturalgabe gilt. Man kannte drei aufeinanderfolgende Tauffeiern: die erste eine einfache Stärkung unmittelbar nach der Taufe im Wirtshaus, die zweite, einen Monat später "den Kaffee" und bald danach ein größeres Fest, "die Zech". Alle Feste hatten gemeinsam, dass ausgiebig dem Branntwein zugesprochen wurde. Zur Pflege des Neugeborenen gab es wieder abergläubische Vorstellungen: Trat eine fremde Frau in die Stube, so darf die Mutter so lange nicht sprechen, bis der Säugling gewaschen ist; Kindern unter einem Jahr soll man die Fingernägel nicht schneiden, sondern abbeißen, schneidet man sie nämlich, wird das Kind ein Dieb. Die Kinder sprechen Vater und Mutter mit "Ihr" an, der Großvater ist das "Herrschje", die Großmutter das "Frauschje", der Onkel das "Ehmschje", "Ihmschje" oder "de Fedde" (zu deutsch „der Fettte“), die Tante das "Wääsje". Sobald das "heiratsfähige" Alter nahte, wurden Jungen sowie Mädchen in die entsprechenden "Bünde" (Vereine) des Dorfes aufgenommen. Ein lang herbei gesehntes Ziel war nun insbesondere für die Mädchen erreicht.

Liebe Marina falls du nun immer noch in die Eifel auf einen Bauernhof ziehen möchtest, wünschen wir dir, dass du einen netten Hasen für deinen Fox auftreibst damit sie sich gute Nacht sagen können.