Autofrischling Juliane

Computerspiele

Zu einem ernsten Thema: Die aktuellen Gewalttaten Jugendlicher geben der Diskussion um angeblich „gewaltverherrlichende“ Videospiele neues Futter. Immer wieder werden Auswirkungen der Computerspiele auf Minderjährige heiß diskutiert. Auf der einen Seite stehen vorschnelle Politiker und besorgte Eltern, auf der anderen die Anwender der Computerspiele. Beide Seiten werfen einander Unwissen und Inkompetenz vor. Außer Zweifel steht, dass Gewalttaten und Jugend-Brutalität zunehmen und umgehend bekämpft werden müssen. Ob man das aber durch das Verbot entsprechender Spiele erreicht, sei dahin gestellt. „Nein“ dazu sagt die Computerbranche und die Spielerszene. Sie spricht von bedauernswerten Einzelfällen. Ein Mitglied der Szene mit Nicknamen „Darkwing“ berichtet uns von dem Fall der „JuliB“, die in Gamerkreisen gewisse Berühmtheit erlangte. JuliB sei seit des Erscheinens des einschlägig bekannten PC-Spiels „Destruction Derby“ 1995, zu einer intensiven Anwenderin der Computainment-Software geworden. Das Ziel des PC-Spiels ist die Zerstörung der Fahrzeuge andere Verkehrsteilnehmer, wofür im Spiel Punkte vergeben werden.
JuliB habe im Internet per Multiplayer-Funktion gleichgesinnte Freunde gefunden, mit denen sie sich auch in ihrer restlichen Freizeit im „Destruction-Forum“ ausgetauscht hat. Gegenüber Mit-Chattern soll sie erste Pläne geschmiedet haben, Szenen des Spiels auch in die Realität umzusetzen. Darkwing: „So etwas kommt schon einmal vor. In der Szene sind solche fixen Ideen aber schnell wieder verworfen. Aber bei ihr war es irgendwie anders.“ Um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen, suchte sich JuliB eine, für ihre Zwecke adäquate Fahrschule. „Das war natürlich nicht einfach. JuliB brauchte eine Fahrschule, die an ihrem Wohnort als sicherer Ausbilder galt, damit im Schadensfalle der Verdacht nicht sofort auf sie fiel,“ so Darkwing. JuliB absolvierte ihre Fahrausbildung zuverlässig und mit großer Konzentration. „Sie hatte ein Ziel vor Augen, das merkte man sofort“, so Handan Alberti, damalige Fahrlehrerin von JuliB.
Am 22.08.06 bestand JuliB ihre Führerscheinprüfung, wie erwartet, im ersten Anlauf. Darkwing: „Etwa 2-3 Wochen nach der Prüfung schlug sie das erste mal zu. Sie hat das vorher sogar im Forum angekündigt. Freunde wollten sie davon abbringen, aber es war schon zu spät.“ Darkwing informierte sogar die Polizei, die aufgrund der fehlenden Angaben zu Ort und Zeit, nur mit erhöhter Alarmbereitschaft reagieren konnte. „Uns waren einfach die Hände gebunden“, so der ermittelnde Polizeihauptkommissar Georg P. (Name aus ermittlungstaktischen Gründen von der Redaktion geändert). „Wir wussten nur, das sie zuschlägt. Nicht wann und wo.“ Kurz darauf, Mitte Oktober und Anfang Dezember fanden erneut unter mysteriösen Umständen Zusammenstöße mit parkenden oder anhaltenden Fahrzeugen statt. Auch diese Unfälle sollen auf das Konto der unauffindbaren JuliB gehen. Ersten Zeugenaussagen zufolge soll sie an an allen Tatorten ein schwarzes Fahrzeug der Marke VW benutzt haben. Der Unfallfahrer konnte den Tatort jedoch in allen Fällen unerkannt verlassen. Dazu Polizeihauptkommissar Georg P.: „Ohne den Verkehrsteilnehmern Angst einzujagen: JuliB könnte jederzeit und allerorts erneut zuschlagen.“ Das bestätigt auch der Szenenanhänger Darkwing: „Alles was wir tun können, ist darauf zu warten, dass JuliB einen Fehler macht. Das sollte möglichst bald passieren.“ Die Gamer-Szene vertritt jedoch die Ansicht, dass es sich auch bei diesem Fall um ein singuläres Ereignis handelt. Dieser Fall lege zwar nahe, dass das PC-Spiel „Destruction Derby“ JuliB zu ihren Taten inspiriert habe, aber auch in diesem Falle gelte „wenn wir alles, was wir als Ursachen für negative Folgen ansehen, verbieten würden, dann dürften wir nicht nur nicht mehr PC spielen, sondern auch nicht mehr Auto fahren.“

Alle im Artikel genannten Personen und Ereignisse sind fiktiv. Etwaige Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt!