Autofrischling Daniel

Von Häusern und Autos

Der kleine D. ging einst mit seiner Mutter spazieren. Er beobachtete ein Eichhörnchen, das sich mit Doppel-H schrieb, was D. nicht weiter beunruhigte. Ihn interessierten ganz andere Dinge. Also fragte D. seine Mutter: „Mama, wo schlafen eigentlich die Eichhörner wenn sie müde sind?“ Seine Mutter antwortete: „Aber D., das heißt doch Eichhörnchen. Und die schlafen in ihren Häusern.“ Das war D. zu wenig: „Aber ich sehe hier gar kein Haus, Mama!“ „Das kannst du auch nicht, weil – die Häuser sind in die Bäume eingebaut.“, antwortete die Mutter Ds. und hielt dies für eine kluge allgemein gültige Antwort, die sich nun auf alle anderen Tierarten anwenden ließ. Nichts da!
Als sie ein Reh durch den Wald huschen sahen, fragte D. abermals: „Mama, wo schlafen eigentlich die kleinen roten Pferdchen?“ „Das sind Rehe und die schlafen, schlafen, schlafen...-...in ihren Häuser.“, stammelte die Mutter. „Aber Mama, ich sehe gar keine Häuschen für die roten Pferdchen.“, zweifelte D argwöhnisch. Die Mutter entgegnete spitz: „Die stehen ja auch mitten im Wald, damit sie der kleine D. nicht sehen kann. So, komm jetzt.“ Die Mutter zog ihr Kind voran, darauf bedacht, D. ein wenig vom Waldpersonal abzulenken. Aber D. war schneller: „Mama?“ Die Mutter schon recht säuerlich: „Ja mein Kind!“ „Mama! Schau mal dahinten! Ein Vogel. Wo schlafen eigentlich die Vöglein, wenn sie müde sind?“ „Die schlafen auch in ihren Häusern!“, Mutter war ziemlich genervt. D. ließ diese Antwort aber keine Ruhe: „Aber Mama, da schlafen doch schon die Eichhörner...!“ Langsam wurde die Mutter sauer: „Gut, D. – dann schlafen sie halt nicht in den Bäumen, sondern im Himmel, in ihren Häusern, jedenfalls da, wo du sie auf gar keinem Fall sehen kannst!“ Diese Antwort verfehlte ihre gewünschte Wirkung. Der kleine D. machte sich nun Sorgen: „Aber Mama, wenn die Vöglein müde sind, dann fallen sie ja vom Himmel!“ Das ließ die Mutter so stehen und zog ihr Kind heimwärts.

Sie begegneten noch Hunden, Katzen, Rentnern, Briefträgern, Polizisten und so weiter, und so weiter. Alle wohnten in entsprechenden Häusern. Der Briefträger im Briefkasten. Als das endlich geklärt war, standen sie auch schon vor ihrem eigenen Haus und die Mutter fragte provokant: „So, kleiner D., wie du siehst, das ist unser Haus. Und was macht der kleine D. da?“ D. schaute sie interessiert an, verstand aber nur Eichhörnchen. Die Mutter: „Das was alle Tiere, und die denen wir sonst noch begegnet sind, auch tun: Schlafen!“ D. sah sie zweifelnd an: „Ich bin doch gar nicht müde.“ In diesem Moment kam der Vater D.s nach Hause und parkte das Auto in der Garage. Die Mutter wusste was jetzt kam: „Jetzt ist das Auto müde und schläft in seinem Haus, oder Mama?“ „Ganz genau, mein Kind. Genau wie du.“, entgegnete die Mutter. D. ging um 7 Uhr zu Bett. Mitten in der Nacht stand D. vor dem elterlichen Schlafzimmer und schaute besorgt in die verschlafenen Gesichter seiner Eltern: „Mama, Papa! Ich kann nicht schlafen!“ „Warum denn nicht?“ „Wegen dem Auto. Kannst du das nicht zu uns holen? Das ist ja ganz alleine in seinem Haus!“, D. glaubte fest an diese Tatsache. „Nein, das geht leider nicht, hier ist einfach kein Platz für das Auto.“, der Vater half der Mutter aus. „Aber im Wohnzimmer ist doch noch Platz!“, schluchzte D.. „Aber wie soll das Auto denn durch die Tür?“ D. begann zu weinen. Als D. irgendwann unter Tränen eingeschlafen war, beradschlagten seine Eltern, wie sie aus der Patsche kamen.

Der Vater hatte eine tolle Idee. Er kaufte sich ein großes Grundstück und stellte ein etwas kleineres Haus darauf. Dieses Haus war aber immer noch groß genug für mindestens 50 – Autos! Das beste daran war: D.s Vater kaufte sich auch noch ein großes Schild. Darauf stand geschrieben:
„Autohaus Langer“
Als das der kleine D. sah, war er überglücklich. Am liebsten wäre er jetzt auch ein Auto gewesen.. Nachdem ihm seine Eltern versichert hatten, dass das nicht ginge, er aber irgendwann einmal einen Führerschein machen könne, dann einen roten Honda Civic aus dem Autohaus bekäme und sich dann zumindest „Auto-Frischling“ nennen könne, beruhigte er sich wieder. Und seine Eltern auch.